IBM-Studie: KI macht menschliche Urteilskraft zur Schlüsselkompetenz
Eine neue IBM-Befragung zeigt unterschiedliche Erwartungen an KI-Kompetenzen. Personalverantwortliche betonen die Kontrolle von KI-Ergebnissen. Viele Beschäftigte berichten zugleich von Sorgen um ihre Fähigkeiten.
Unterschiedliche Erwartungen an KI-Kompetenzen
IBM hat am 21. September Ergebnisse seiner neuen CHRO-Studie veröffentlicht. In den zugrunde liegenden Befragungen wurden 1.500 Personalverantwortliche beziehungsweise vergleichbare Führungskräfte und 8.800 Beschäftigte erfasst. Die Untersuchung entstand zusammen mit Oxford Economics; die Erhebung fand von April bis Juni 2026 statt.
Laut Mitteilung halten 71 Prozent der befragten Personalverantwortlichen das Überwachen, Prüfen und gegebenenfalls Korrigieren von KI-Ausgaben für die wichtigste Fähigkeit der Belegschaft. Zugleich äußern 60 Prozent der Beschäftigten Sorgen um einen Verlust eigener Kompetenzen. Das sind berichtete Einschätzungen der Befragten, kein experimenteller Nachweis dafür, dass KI-Nutzung zwangsläufig Fähigkeiten abbaut.
Kontrollarbeit bleibt häufig unsichtbar
Ein weiterer Befund betrifft die Arbeit nach der KI-Ausgabe. 80 Prozent der befragten Personalverantwortlichen sehen zusätzliche, häufig wenig sichtbare Aufgaben: Empfehlungen überprüfen, Fehler korrigieren und Sonderfälle bearbeiten. Damit lenkt die Studie den Blick auf Tätigkeiten, die in einer bloßen Zählung erzeugter Texte oder abgeschlossener KI-Anfragen leicht fehlen.
Aus redaktioneller Sicht folgt daraus eine konkrete Frage für die Einführung im Unternehmen: Spart ein Werkzeug über den gesamten Arbeitsablauf Zeit, oder verschiebt es Aufwand in die Kontrolle? Diese Bilanz muss das jeweilige Team selbst erheben; die Befragung liefert dafür keine allgemeingültige Minutenersparnis.
Zuständigkeiten sind Teil der KI-Einführung
Auf der begleitenden Studienseite beschreibt IBM fünf Handlungsfelder, darunter die Neugestaltung von Arbeit, Kompetenzaufbau und vertrauenswürdige KI in der Personalarbeit. Dort heißt es auch, dass 46 Prozent der Organisationen die Personalverantwortlichen nicht an der Definition ihrer KI-Strategie beteiligen.
Nur 26 Prozent grenzen dem Bericht zufolge klar zwischen menschlich geführten, KI-unterstützten und von KI ausgeführten Tätigkeiten ab. Diese Unterscheidung ist für die Praxis aussagekräftig: Ein Vorschlag zur Überarbeitung eines Dokuments ist organisatorisch etwas anderes als eine Aktion, die ohne erneute Freigabe ausgeführt wird.
Was Unternehmen aus den Ergebnissen ableiten können
Ein sinnvoller Ansatz ist, für einzelne Arbeitsabläufe festzuhalten, wer das Ergebnis verantwortet und welche Prüfung erforderlich ist. Weiterbildung sollte dabei nicht nur die Bedienung des Werkzeugs erklären, sondern auch den Umgang mit zweifelhaften Antworten und Ausnahmen.
Die Untersuchung ist eine von IBM veröffentlichte internationale Befragung. Sie bietet Anhaltspunkte für Personal- und Organisationsentwicklung, bildet aber nicht automatisch jedes deutsche Unternehmen ab. Als Entscheidungsgrundlage sollte sie deshalb mit den Erfahrungen und Anforderungen des eigenen Betriebs verbunden werden.

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